13. Februar 2018 simplyjulia 0Comment

Mittlerweile nutzt er jeden Anlass, um ihr etwas zu schenken. Manchmal braucht er dafür nicht einmal den Anlass. Aber nicht nur das. Mittlerweile reicht ein Geschenk nicht. Viele müssen es sein und teuer. Denn an ihnen misst sie seine Liebe und Anerkennung.

Wenn es nicht das ist, was sie sich gewünscht, bei anderen gesehen oder bereits im Voraus ausgesucht hat, ist sie enttäuscht. Oder er vergisst es einfach. „Ach, heute ist Valentinstag? Schatz, geh doch bitte in die Stadt und such dir was nettes aus. Hier sind Zweihundert.“ Und sie nimmt ihm den Schein aus der Hand. Und sie geht. Und sucht aus. Und kauft. Und weiß, dass es beim nächsten Anlass wieder das gleiche sein wird. Und sie geht wieder. Und sucht aus. Und kauft. Ihr eigenes Geschenk. Und sie weiß es. Und eigentlich will sie überrascht werden, aber eigentlich nicht. Denn Überraschung bedeutet Enttäuschung.

Wann hat sie das Leuchten in ihren Augen verloren? Wann hat sie aufgehört sich wirklich über Dinge zu freuen? Und über wahre Geschenke, die nicht bezahlbar sind. Wann hat sie verlernt dankbar zu sein? Und wann hat er aufgehört sie zu überraschen? Ihre Ansprüche dominieren ihr Herz.

Sie erinnert sich an früher. Auf dem Jahrmarkt an der Schießbude hatte ihre erste Liebe ihr eine Plastikrose gewonnen, obwohl er mit dem Gewehr nicht einmal getroffen hatte. Er war ihr Held. Und sie war das glücklichste, stolzeste Mädchen der ganzen Stadt. Das reichte.

Sie stolpert gedankenverloren über 8 Pakete, die im Haugang liegen. Bestellungen und Geschenke für Werbezwecke, die heute ankamen. Asos, Gymshark, Fit Tea, … Alles wartet darauf geöffnet zu werden, um dann in den Schrank geräumt zu werden, um dann wieder Platz für neue Pakete zu schaffen. Und sie sucht aus. Und sie kauft. Und sie weiß es. Aber es fehlt noch ein Kleid für heute Abend und mindestens drei Outfits für das nächste Shooting morgen und neue Unterwäsche, weil alles andere ja schonmal getragen wurde.

„Gehen wir was Essen? Heute ist ja Valentinstag“, fragt er vorsichtig. „Nein, ich kann nicht. Ich hab kein Kleid“. Aber im Schrank hängen doch 48. Und er zaubert ein neues, rotes hinter seinem Rücken hervor und sagt: „Zieh es dir an. Ich habe es eben bei Zara gekauft“. Doch sie hätte lieber das schwarze, welches sie eben auf Instagram gesehen hatte. „Es geht nicht. Darin sehe ich furchtbar aus“. Und er schweigt. Und sie sitzen auf der Couch. Wie jeden Abend. Und schweigen.

Wann hat sie das Leuchten in ihren Augen verloren? Wann hat sie aufgehört sich wirklich über ein Kleid zu freuen? Und über die Anwesenheit ihres Mannes. Wann hat sie verlernt dankbar zu sein? Und wann hat er aufgehört mit ihr zu sprechen?

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