24. April 2018 simplyjulia 0Comment

Ich bin nackt vor dir. Habe mich ausgezogen, dir mein Herz offenbart und du stichst zu. Wie ein Kaktus. Und die Nadeln stecken tief. Tief und lange. Und es dauert, bis ich jeden einzelnen Stachel wieder herausgezogen habe. Und das ist nicht alles. Es bleibt eine Wunde. Die Wunde muss heilen. Vielleicht bleibt auch eine Narbe. Sie geht nicht mehr zurück.

Ich bin nackt vor dir. Dünnhäutig und zart. Du hast es tausendmal von mir gehört, aber nie verstanden. Du weißt nicht, was es bedeutet sich Stachel für Stachel zu befreien. Von vorne zu beginnen. Zu vergeben, sich erneut auszuziehen, sich wieder verletzbar zu machen. Wieder und immer wieder. Und mit jedem Mal wird es schwerer und mit jedem Mal dauert es länger, weil sie mit jedem Mal tiefer greifen. Die Stacheln.

Du entschuldigst dich, streckst mir die Hand entgegen, doch deine Hand brennt wie Feuer, als du sie auf meinen Arm legst. Ich drehe dir den Rücken zu. Nicht bereit so schnell wieder frei zu sein. Mit der nächsten Berührung spüre ich deine Hand nicht mehr so deutlich. Spüre, wie meine Haut dicker wird. Zähes, grünes Leder. Wie ein Kaktus.

Und du stichst weiter, weil du nicht warten willst, weil du nicht verstehst, was es für eine Arbeit bedeutet sich Stachel für Stachel zu befreien, bevor ich wieder verletzlich werden kann. Warum lässt du zu, dass der Schmerz mich sogar durch diese dicke Schicht berührt? Und meine Haut wird dicker. Sie wird grüner und es wachsen Stacheln nach außen, weil tief in mir drinnen mein Herz sagt, dass ich es wert bin mich zu schützen. Wie ein Kaktus.

Ich war nackt vor dir. Jetzt schütze ich mein Innerstes vor dir. Wie ein Kaktus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.