9. Mai 2018 simplyjulia 2Comment

So oft hier gewesen und trotzdem immer Neues zu entdecken.
Kleine, bunte Welt. Ich hab dich vermisst. Deine Lebhaftigkeit, deine kommunikative Art.
Die Farben. Überall Farben. Und dann spiegeln sie sich noch einmal im Wasser.
Musik. Stimmengewirr. Zahllose Eindrücke. Aufruhr. Kreative, schlichte Schönheit.

Über die schmale, alte Steinbrücke und entlang dem Ufer, gesäumt von Bars und Restaurants. Die Steine unter meinen Füßen strahlen die Hitze ab, die sie tagsüber aufgenommen haben. Dazu die kühle Nachtluft, die mir ums Gesicht streicht. Es dämmert bereits und die ersten Lichter gehen an. Lautes Lachen. Lautes Gerede. Wie auf einem Fest. Ein nächster Windstoß bläst kräftig mein offenes Haar in den Nacken. Dann spür ich den ersten Regentropfen auf meinem Arm.

„Pizza, Pasta, Aperitivo“. „Venite ragazzi, venite“. Jede Bar, jedes Restaurant versucht mit seinen aufdringlichen Rühmereien neue Gäste fürs Dinner zu gewinnen. Wir schlendern entlang dem Ufer und hören zu. Es wird dunkel. Das Stimmengewirr verdichtet sich. „Umbrellini!! Vuoi?“. Die Ausländer scheinen das nahende Unwetter zu riechen und halten Arme voll mit kleinen Schirmen in die Luft. „No, Grazie“. Ich liebe Regen. Und schon spüre ich die nächsten Tropfen auf meinem Haar. Kleine, bunte Welt. Du bereicherst mich.

Dann zieht uns das düster, gelbliche Licht eines kleinen Restaurants in seinen Bann und wir betreten den von der Sonne aufgeheizten Innenraum, vorbei an der hölzernen Bar, bis zu einem winzigen Tisch, an dem wir zwei gerade so Platz haben. Die Tür bleibt offen und immer wieder zieht ein kühler Windstoß an mir vorbei. Das Unwetter beginnt. Der Regen prasselt auf die großen Pflastersteine und die ersten Blitze zucken. Die Atmosphäre – gespannt. Zwei Kellner eilen zur Tür und beginnen die weißen Leinenschirme zusammenzubinden. Donnergrollen. Hektische, unverständliche Rufe und ein Schirm, der vom Sturm umgerissen wird. Es geht alles schnell. In der kleinen, bunten Welt.

Risotto Tartufo e Salvia. Cremig und körnig auf meiner Zunge. So widersprüchlich wie das Viertel. „Prego“! Ich schmecke den Salbei und rieche den Regen auf den heißen Pflastersteinen verdampfen. Wie Sommer. Sommer im Mai. In der kleinen, bunten Welt ist immer Sommer.

Der Regen ist weniger geworden, als wir unsere Füße zurück auf die nasse Straße setzen. Am liebsten würde ich Barfuß gehen. Blitze zucken immer noch und die Luft ist abgekühlt. Es riecht überall nach Regen in der kleinen, bunten Welt. Du legst mir deinen Pullover um die Schultern und wir gehen lachend die Straße hinauf. Weil sie dazu einlädt. Kleine, bunte Welt.

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